Männer – Tag 125

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Also, es war so. Wir saßen da am Rhein-Marne-Kanal und tranken einen Morgenkaffee, da war es 12 Uhr, da schob sich von 9 Uhr ein Partyboot ins Blick- und Hörfeld, welches ein Gummi-Einhorn hinter sich herzog, auf dem ein Radiorekorder in mäßiger Qualität stand, aus dem Kirmestechno in sehr hoher Qualität quoll und GENAU, GENAU da, wo wir standen in einer Entfernung von 3,50 Meter festmachte. Ein Albtraum wurde wahr. Da dachten die liebe Frau und ich schon nicht mehr, dass es noch gut wird, davon ausgehend, dass die auf dem Sonnendeck und somit klug und mit Umsicht in der Sonne gelagerten, reichlich vorhanden 5-Liter-Fässer Bier noch nicht im Ansatz getrunken waren und die Geschichte des Kirmestechno da noch längst nicht auserzählt war. Auf dem Boot befanden sich 10 Männer mit nacktem Oberkörper, die dem Genre der Biertitte modisch nicht abgeneigt waren.

Man schrie sich an, so wie Männer es tun, davon ausgehend, dass alle Welt im höchsten Interesse innehält, um ihren Sermon zu vernehmen Die Männer, dem deutlichen Vernehmen nach aus Schwaben, waren allesamt empört, dass es da, wo sie nun angelandet waren, wie weiland die Wikinger in der Normandie, Geld „koscht“ und sie sahen das unisono „nett eu“. Wir erhofften nun für Sekunden, dass der Umstand, dass die Ankerung an der Marina in Niderviller unverschämterweise Geld kostet, sie zum weitertuckern bewegen würde, da kam das Beiboot der Partybrut mit sieben weiteren identisch aussehend Knilchen ebenso schwäbischer Herkunft, die sich erst einmal gegenseitig als des Bootsfahren unkundig bezichtigen, was lauthals verkündet, als auch lauthals quittiert wurde. Da sprang die liebe Frau auf, wir brauchten uns nichts zu sagen, wir waren uns einiger als die Waltons, packten binnen ca. 45 Sekunden die sieben Sachen ein und fuhren davon.

Nun wollte ich Ihnen dieses Abenteuer nicht vorenthalten. Ich überlegte kurz, ob ich den Artikel „Drecksäue“, „Proleten“, „Saftsäcke“ oder „Arschlöcher“ nenne und kam mit mir selbst überein, dass sowohl die Drecksau, der gemeine Prolet, der Saftsack, als auch das Gesäß inkl. Anus dabei unvorteilhaft konnotiert würden und die Bezeichnung „Mann“ oder „Männer“ durchaus schon ausreicht, um auf entsprechende Missstände hinzuweisen. Ich finde nämlich, dass sich mehrere, gerne auch junge Menschen durchaus ein Hausboot mieten sollten um damit z. B. die französischen Kanäle zu bereisen. Was hätte ich dafür gegeben, wenn man sich das damals hätte auch nur ansatzweise leisten können. Jedoch sind 17 schreiende Männer eine Sache für sich. Man muss nur in der Niveauebene 1-2 Stufen unterhalb eines Schabracken-Tapirs angesiedelt sein, schon geht die Sache schief. 17 Affen wären einem sicher nicht so auf den Sack gegangen. 17 männliche Affen vielleicht, aber nicht zwingend. Aber 17 Männer der Gattung Mensch, das ist schwierig. Nun habe ich schon Horden von Frauen dabei beobachtet, wie sie „die Freiheit zu Grabe trugen“, in einer fürchterlichen Prozession, den die Menschen Junggeselinnenabschied nennen. Das ist Hardcore und keinen Deut besser oder schlechter, als wenn Männer das gleiche Ritual begehen. Das sind in der Mehrheit Menschen, die mit Alkohol, konsumiert in großen Mengen, nichts anzufangen wissen, außer ausfallend und unangenehm zu werden. Nicht wie man selbst, der auch nach dem Konsum einer Flasche Whisky (pro Person) ausschließlich hochintellektuelle und wissenschaftlich untermauerte Gespräche im Flüsterton aufgeführt hat. UND ZWAR AUSSCHLIESSLICH!!!!

Männer sind, wenn sie ihren genretypischen Gepflogenheiten folgen, und das machen sie nur allzu oft, unerträgliche Vollidioten und man wünschte sich vom Gott des Spiegels, sie würden es endlich merken und ihre Muster ändern. Es ist komplett nicht daran zu denken, die liebe Frau in ihrem Hippiewallekleid oder ich an der Erbarmungskrücke würden vor die Herrschaften treten und sie bitten, sie mögen doch freundlicherweise „ein wenig leiser“ sein oder vielleicht, noch besser, da drüben hinter der nächsten Flussbiegung vor Anker zu gehen. Ginge das? Ja? Prima, danke. So ein Gespräch findet nicht statt und das wird vor dem großen Paradigmenwechsel im Jahre 3.167 auch nicht stattfinden. Das ist sehr traurig, doch leider ist es so wie ich es sage. Ich gehe davon aus, dass Sie liebe Leserin, lieber Leser so nicht in Erscheinung treten, also mit Kirmestechno ungefragt die Anwesenden beschallen, sich anbrüllend auf einem Plastikhausboot. Das will ich jedenfalls hoffen. Wenn doch, schreibt es in die Kommentare. Ich bin gespannt.

Nun sind wir weitergefahren und haben bei nahe dem Örtchen Wingen-sur-Moder ein unspektakuläres, jedoch keinesfalls modriges Plätzchen gefunden. Zwischen drei Bikerpärchen (Frau und Mann) in Zelten und einer Familie, sowie ein paar Typen mit Kindern, deren Spross mich schon mit Kunststücken mit einem an einer „Geisterschnur“ gebundenen Stöckchen zu beeindrucken wusste. Ich war gebührend verblüfft und fiel im Anschluss der Vorführung in einen kurzen, aber wohligen Mittagsschlaf. Im Sommer fahren wir nach Dänemark. Vielleicht! Gleich gibt es Abendessen.

Gute Nacht!

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