Der gnädige Herr – Tag 139

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Heute, an diesem wieder mal komplett ereignislosen Tag, haben wir Eis gemacht. Genauer gesagt, wir haben Vanilleeis gewirkt. Dazu schüttet man verschiedene Dinge, bei denen der Ernährungsberater*in die Feuerwehr rufen würde, in einen Topf, der wiederum steht in der Eismaschine und darinnen fuhrwerkt eine Rühreinheit. Die Maschine kühlt und man kann sich solange aufs Bett legen und an die Wand starren. An der Wand hängt zufällig das TV-Gerät. Dann macht es Piep und macht wirft ein paar Waldnüsse, die man „zufällig“ im Haus hat, in eine Pfanne. Dann sagt die liebe Frau mehrfach den Satz: „Denk an die Walnüsse, die brennen sonst an.“ Jedesmal wenn ich den Satz vernommen habe, nahm ich die Pfanne von der Flamme und warf die Walnüsse gekonnt in die Luft und fing sie mit der Pfanne wieder auf. Die liebe Frau war wenig beeindruckt und wiederholte brav ihren Satz, bis ich das ganze mit Honig und Grand Marnier ablöschte. Das ganze zusammen ist sehr lecker und so war der Tag auch schon fast rum. Das war sehr schön und wir nennen es Lotterleben.

Hier, wo wir leben, sind ganz viele Menschen. Die wohnen hier, arbeiten hier oder sie nehmen die Schlangen, die auch hier wohnen und werfen sie über den Zaun. Außerdem laufen sie durch unser Häuschen und klopfen an die Wand. Wenn wir mal nicht da sind, kommt Selma und zieht hier ein und klopft ebenso an die Wand und unterhält sich mit den Tieren, die hier wohnen. Selma sagt immer: „Na, wo glaubt ihr heute im Urlaub hinzufahren?“ Dann sagen wir manchmal: „Frankreich.“ oder „Dänemark.“ oder „Doch Frankreich.“, „Ach nee, doch Dänemark.“, „Nee, Dänemark ist doof, wir fahren nach Norddeich und dann die Nordseeküste runter in die Bretagne.“ oder auch „Wir fahren den Rhein bis Rotterdam und dann die Küste runter.“ Heute haben wir gesagt: „Ganz klar, wir fahren nach Andermatt und dann so nah wie möglich an die Rheinquelle ran und dann fahren wir den ganzen Rhein runter bis da, wo er in die Nordsee fließt.“. Selma sagt dann meistens: „Hahahahaha! Köstlich!“. Ich glaube, Selma hält uns für bekloppt. Das macht aber nichts, denn Bekloppte sind mir nicht unsympathisch und wenn man sich selbst nicht unsympathisch ist, dann ist das doch ein guter Anfang.
„Hä? Anfang von was denn?“
„Naja, von allem irgendwie.“
„Was heißt denn das? Wenn man sich selbst sympathisch ist, ist das doch nicht der Anfang von allem.“
„Naja, das habe ich doch jetzt nur so geschrieben.“
„Ja, aber man muss doch auch mal nachdenken, über das was man schreibt. Die Leute lesen doch hier mit.“
„Aber die Leute nehmen das doch eh nicht ernst. Die denken, ach, der Spinner, lustig wie der das schreibt, aber das ist ja auch Quatsch.“
„Das glaube ich ja nicht. Du bist ja auch wer.“
„Ich? Wer soll ich denn sein?“
“ Was denkst Du denn? Du bist doch Huck Haas, der Inhaber einer ganz interessanten Werbeagentur, Du hast lauter Designpreise gewonnen und Du gibst ein eigenes Magazin heraus. Außerdem bist Du der Mann der lieben Frau, die auch gestreng sein kann. Das ist doch schon auch was. Außerdem steht hier drüben ein Twitterpokal. Was ist denn das? Wo hast Du denn den her?“
“ Ach, das ist so’ne Sache, als ich im Krankenhaus lag, da …“
„Ja, aber ein Pokal!“
„Aber das ist doch auch nur ein kleiner Pokal und ich glaube, der hat ja für die Menschheit keine Bedeutung.“
„Sag doch sowas nicht. Ich hab keinen Twitterpokal. Und hier steht sogar ein Bembel mit deinem Namen drauf, da steht „Friedenspreis“ drauf. So was bekommt man doch nicht einfach so. Ich meine, das ist ein richtiger Bembel mit Bembelschrift. Das kostet doch ein Heidengeld. Du musst ja jemand ganz Besonderes sein.“
„Aber nein, ich bin ganz normal, ich …“
„Hahahahahahahahahahahaahahaha!“
„Was soll denn das jetzt?!?“
„Naja, jedenfalls … ein Bembel mit Deinem Namen drauf!!!“
„Ja, jetzt ist aber gut.“
EIN BEMBEL MIT DEINEM NAMEN DRAUF!!! Ich hab noch nicht mal ein Senfglas mit meinem Namen drauf. Ja, ich habe noch nicht mal Visitenkarten mit meinem Namen drauf. Du bestimmt schon. Was steht denn auf deinen Visitenkarten?“
„Äh.“
„Genau, zeig doch mal!“
„Nee, da steht nichts Besonderes drauf.“
„Zeig!“
„Ich weiß nicht wo die sind.“
„Da liegt doch dein Portemonnaie, da sind die doch drin. Ich kukk da jetzt nach.“
„Oar Mann, ey!“
„Die sind ja so dick wie ein Surfbrett. Wie krass ist das denn? Und da steht in GOLDENER Schrift Deine Mailadresse drauf. Sonst nichts. Aha! Der gnädige Herr. Noch nicht mal der Name. Nur die Mailadresse!!! Bist Du der Kaiser von China?“
„Nein, ich bin nicht der Kaiser von China und jetzt ist aber auch wirklich gut. Du nervst!“
„Ah, der Kaiser von China ist genervt, weil ich Wurm es nicht fassen kann, dass er einen Bembel mit seinem Namen hat und Visitenkarten mit goldener Schrift, auf den nur die Mailadresse steht.“
„Ja, ist ja gut jetzt. Das ist ein Gag, weil doch eh niemand mehr Visitenkarten haben wi …“
„Ach so, der gnädige Herr macht goldene Visitenkarten, die so dick sind wie das Telefonbuch von New York, die aber eh niemand braucht. Das ist ja allerhand.“
„Äh …“
„Uuuuh! Darf ich eine haben? Damit kann ich ja dann heim surfen.“
„Ja, nimm Dir einfach zwei, dann kannst Du Dir ein Haus bauen und darin übernachten.“
„Ich soll also auf dem blanken Boden übernachten?“
„Dann nimm Dir halt drei. Aber dann ist auch jetzt Schluss für heute. Ich muss ins Bett.“
„Oooooh, der Kaiser von China muss ins Bett!“
„Der Kaiser von China muss morgen arbeiten und den Bembel polieren.“
„Uuuuh! Macht das denn nicht das Dienstmädchen?!“
„Ja, das macht eins von den 99 Dienstmädchen.“
„I got ninety-nine problems but the Dienstmädchen ain’t one.“
„Du hast doch gar kein Dienstmädchen und jetzt raus hier.“
„Ja, ooooh, ich habe ja auch kein Bem …“
RAUS!
„Uuuuuuh, er schmeißt mich raus!“
Aufwiederhähnchen!“

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